Im Sommersemester 2024 erforschten Studierende des 4. Semesters des BA Architektur am Lehrstuhl für Bildende Kunst unter Leitung von Prof. Karianne Fogelberg die Stadt als Lebensraum von Menschen und nichtmenschlichen Spezies. Das Thema City.Sphere ermöglichte verschiedene künstlerische und gestalterische Zugänge zur Stadt als Lebensraum, u.a. spekulativ, diskursiv, partizipativ, intervenierend, skulptural, multimedial, und vieles mehr.
In der urbanen Realität laufen brennpunktartig einige der wichtigsten Konflikte und Widersprüche unserer Zeit zusammen. Mit ihrem wachsenden Flächen- und Ressourcenverbrauch trägt die Stadt zur Verschärfung der Klima- und Biodiversitätskrise bei. Gleichzeitig wird der Stadt eine zentrale Rolle in der Suche nach Auswegen aus der Krise zugewiesen. Konzepte wie die Schwammstadt, Fassaden- und Dachbegrünung gegen den Wärmeinseleffekt, Ausgleichsflächen und Blühwiesen sollen die Stadt für die Zukunft rüsten und erkennen Pflanzen, bestäubende Insekten, Vögel und andere Tiere als wichtige Akteure an.
Bereits heute finden immer mehr Pflanzen und Tiere hier bessere Lebensbedingungen als auf dem Land. Spechte, die sich in wärmegedämmten Gebäudefassaden einnisten, Waschbären, die ihre biologische Uhr an den Fahrplan von Bussen anpassen, und entflogene Papageien, die sich in unseren Städten heimisch fühlen, bringen die Vorstellung ins Wanken, dass Menschen die einzigen Stadtbewohner sind. Die urbane Realität zeigt, dass es keine klare Trennung zwischen Stadt und Land und zwischen Kultur und Natur gibt. Im Zeitalter von Artensterben und Erderwärmung wird der Mensch nicht mehr als eigenständig und unverwundbar diskutiert, sondern als verstrickt und anfällig (Ursula K. Heise).
Im Ringen um die zukunftsfähige Stadt rücken die Beziehungsgeflechte und wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen dem Menschen und seiner sich verändernden Umwelt in den Fokus. Wurde die Stadt einst autogerecht geplant, und später im Sinne des Human-Centered Design umgestaltet, stellt sich heute die Frage, inwieweit Stadt in Zukunft auch artengerecht gestaltet sein sollte?
Mit dem Thema City.Sphere knüpfte der Lehrstuhl für Bildende Kunst unter Prof. Karianne Fogelberg an aktuelle Diskurse in den Wissenschaften (u.a. Multispecies Ethnography, Posthumanismus, politische Ökologie) und zeitgenössische Positionen in Kunst, Design, Architektur und Landschaftsgestaltung an, die die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem Menschen und seiner sich verändernden Umwelt adressieren.
City.Sphere war eine Einladung an die Studierenden des 4. Semesters des BA Architektur, in den städtischen Raum auszuschwärmen, die Stadt mit allen Sinnen zu erforschen, neue Perspektiven auf vermeintlich Vertrautes einzunehmen, die Wahrnehmung zu schärfen, Nischen und Brachen ebenso wie Plätze und Verkehrsknotenpunkte zu untersuchen, Vorhandenes zu adressieren oder Neues hinzuzufügen.
Die Publikation „City.Sphere. Stadt als Lebensraum – city + (bio)sphere“ zeigt die 51 studentischen Projekte, die im Modul Künstlerische Methoden im urbanen Raum entstanden sind, und ist im Verlag der TUM School of Engineering and Design erschienen (Hg. Karianne Fogelberg, Elke Dreier, Florian Ecker, Ute Heim, Florian Lechner, 2024).